Antrittsbesuche des Bundespräsidenten in Sachsen

Am Nachmittag des 13. November standen die Kameraden der Feuerwehr Bad Lausick auf der Straße. „Feuerwehren helfen!“ steht auf dem Banner und macht auf den Mitgliedermangel bei vielen Wehren aufmerksam. Von der Landespolitik fühlen sie sich im Stich gelassen. Deswegen wollten sie sich beim Antrittsbesuch des Bundespräsidenten in Bad Lausick zeigen und hoffen, dass er sie bei seiner Anfahrt zur Sächsischen Bläserphilharmonie wahrgenommen hat und in die Hauptstadt mitnimmt.

Henry Graichen, Landrat Landkreis Leipzig:

Trotz dass er jetzt in Berlin tätig ist, stammt er doch aus einer sehr ländlichen Region im Osten von NRW. Das hat er auch erläutert und hat sehr klar gemacht, dass all die Themen, die uns beschäftigen, wie Rückgang von Einkaufsmöglichkeiten im ländlichem Raum, Busanbindungen, sowie Feuerwehr-Infrastruktur aus seiner Heimat sehr gut bekannt ist. Dass er aber auch sagt ‘In den alten Ländern war das ein Prozess über mehrere Jahrzehnte, während das bei uns in den neunziger Jahren doch sehr konzentriert aufgetreten ist.`Und das ist schon nah an den Realitäten, die uns hier jeden Tag beschäftigen.

Landrat Henry Graichen nutze die Gelegenheit des Besuches auch um deutlich zu machen, wo die Schwierigkeiten in der Region liegen, gleichwohl aber auch um gute Beispiele anzubringen. Das Kulturraum-Gesetz ist eines der positiven Beispiele.

Henry Graichen, Landrat Landkreis Leipzig:

Dann muss man ein so realistisch wie mögliches Bild zeigen von der Situation vor Ort. Das hatten wir heute Morgen bei einer gemeinsamen Auftaktrunde im Fichtelberghaus, wo nach meinem Eindruck, der Bundespräsident kennen lernen wollte, was ist in Sachsen in den letzten 27 Jahren passiert, einfach mal ein Gefühl dafür bekommen. Was hat die Wende bedeutet für die Bevölkerung demografisch. Es ist auch so, dass viele damals dem Land den Rücken gekehrt haben, um Arbeit oder Ausbildungsplätze woanders zu finden. Die Lücke merken wir heute noch! Nach meinem Dafürhalten auch ein Grund, warum die Arbeitslosenzahlen so niedrig sind, wie sie sind. Weil die Leute eben nicht zur Verfügung stehen. Er wollte aber auch ganz gezielt wissen, was  das für die Schulstruktur bedeutet, für die gesamte soziale Infrastruktur, Ärzteschaft usw. Und welche Antworten hat Sachsen darauf gefunden.

Eine knappe Stunde war er dann da und erlebte gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender, welchen Stellenwert die Kultur im ländlichen Raum hat. Das Gesetz ist in seiner Form zwar einzigartig und trägt stark zur Finanzierung von Kultur in eben jenen Regionen bei. Tillich gestand aber auch Notwendigkeiten bei der Verbesserung des Gesetzes ein, um zum Beispiel die Musiker besser zu entlohnen. Ein wichtiges Anliegen, welches er Steinmeier zu verstehen gab.

Aber nicht nur zum Reden sollten sie gekommen sein. Nach der Vorstellung der Philharmonie, lud Chefdirigent Thomas Clamor die Besucher zum Mitmachen ein. Claudia Scheibe, eine der Orchestermitglieder, machte aber vorher noch einmal deutlich, welche Bedeutung Musik in der Kultur einnimmt.

Claudia Scheibe, Orchestermitglied Sächsische Bläserphilharmonie:

Und das ist etwas ganz Wunderbares, dieser Funke, der überspringt, der die Seele berührt. Und er ist kostbar. Und wissen Sie, dann nerven mich diese Diskussionen, ob Kultur gebraucht wird, ob wir gebraucht werden, ob unsere Sächsische Bläserphilharmonie gebraucht wird. Meiner Meinung nach braucht unser Land nicht nur so viel Kultur wie irgend nötig. Sondern unser Land braucht so viel Kultur wie überhaupt möglich.

Als Bundespräsident könne er zwar nicht direkt den Musikern helfen, aber er könne und wollte Wertschätzung vermitteln. Um den Musikern ein Podium für ihre Leistungen zu bieten, lud er sie zum alljährlichen Bürgerfest auf des Schloss Bellevue ein.

Hintergrund:

Mehr zur Aktion „Keiner kommt. Feuerwehren in Not“ finden sie unter keiner-kommt.de

Nils Geldner

 

 

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