Polizeiliche Kriminalstatistik 2017

Symbolbild
Symbolbild
Verteilung der bekannten Kriminalitätsfälle der Polizeidirektion Leipzig - Quelle: Polizeidirektion Leipzig
Verteilung der bekannten Kriminalitätsfälle der Polizeidirektion Leipzig – Quelle: Polizeidirektion Leipzig

Die Polizeidirektion Leipzig wies im Jahr 2017 mit 105.907 Fällen ein geringeres Straftatenniveau als im Vorjahr auf (2016: 117.780 Fälle; -10,1 Prozent bzw. -11.873 Fälle). Auf 100.000 Einwohner entfielen 10.226 Straftaten (Vorjahr: 11.587 Straftaten). Die Aufklärungsquote betrug 47,9 Prozent, was eine Abnahme um 0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr darstellt. Insgesamt wurden 30.782 Täter in 50.721 Fällen ermittelt. Für die kreisfreie Stadt Leipzig wurden 79.383 Fälle (Vorjahr: 88.615 Fälle; bzw. -10,4 Prozent) erfasst. Mit 45,4 Prozent fiel die Aufklärungsquote bei abnehmenden Fallzahlen geringer als im Vorjahr (47,2 Prozent) aus.
Für den Landkreis Leipzig (14.493 Fälle) sanken die registrierten Fälle um 7,8 Prozent (Vorjahr: 15.713 Fälle). Im Landkreis Nordsachsen (12.031 Fälle) sank die Anzahl der registrierten Fälle um 10,6 Prozent (Vorjahr: 13.452 Fälle). Im Landkreis Leipzig erhöhte sich die Aufklärungsquote auf 54,2 Prozent (Vorjahr: 53,2 Prozent), im Landkreis Nordsachsen stieg sie auf 56,8 Prozent (Vorjahr: 51,5 Prozent).

Kriminalitätsentwicklung Diebstahlsdelikte
Die Diebstahlskriminalität sank direktionsweit auf 54.529 Fälle (Vorjahr: 58.159 Fälle); ihr Anteil an der Gesamtkriminalität betrug 51,5 Prozent. Eher geringfügige Zunahmen waren für Diebstahlsdelikte bei Fahrraddiebstahl zu verzeichnen (von 11.610 in 2016 auf 11.752 Fälle in 2017 bzw. 1,2 Prozent; bei sachsenweit 19.734 Fahrraddiebstählen wurde mehr als jeder zweite Fahrraddiebstahl im Freistaat im Bereich der PD Leipzig registriert), aber auch Diebstahl auf Baustellen (von 895 in 2016 auf 981 in 2017, bzw. +9,6%). Beim Diebstahl in/aus Wohnungen (von 3.022 in 2016 auf 2.826 Fälle in 2017, bzw. -6,5%), beim Diebstahl von KFZ (von 941 in 2016 auf 737 Fälle in 2017, bzw. -21,4%), beim Diebstahl an/aus KFZ (von 7.923 in 2016 auf 7.001 Fälle in 2017, bzw. -11,6%) gab es hingegen deutliche Rückgänge.
Auch regional entwickelte sich die Eigentumskriminalität rückläufig: Die abnehmenden Fallzahlen entfielen zum größeren Teil auf die kreisfreie Stadt Leipzig (-1.965 Fälle), aber auch auf die Landkreise Nordsachsen (-1.192 Fälle) und Leipzig (-473 Fälle).

Kriminalitätsentwicklung Sachbeschädigungsdelikte
Mit 9.884 Fällen wurden im Jahr 2017 deutlich weniger Fälle (-1.505) zur Anzeige gebracht als 2016. Schwerpunktfeld innerhalb der Deliktsgruppe blieben Sachbeschädigungen durch Graffiti mit 3.356 (Vorjahr: 4.051) Fällen.

erfasste Straftatenobergruppen 2017 im Landkreis Leipzig - Quelle: Polizeidirektion Leipzig
erfasste Straftatenobergruppen 2017 im Landkreis Leipzig – Quelle: Polizeidirektion Leipzig

Kriminalitätsentwicklung Rohheitsdelikte/Straftaten gegen die persönliche Freiheit
Auf diese Obergruppe entfiel auch 2017 mit insgesamt 10.293 Fällen in etwa jedes zehnte Delikt, wobei hier eine Abnahme von 912 Fällen zu verzeichnen war. Diese verteilte sich im Wesentlichen wie folgt: Einfache Körperverletzung (-168 Fälle), gefährliche/schwere Körperverletzung (-217 Fälle), Nötigung (-82 Fälle), Bedrohung (-215 Fälle) sowie in erheblichem Maße auf Raub/räuberische Erpressung/räuberischer Angriff auf Kraftfahrer (-172 Fälle; von 804 [2016] auf 632 [2017] Fälle). Auch die Fallzahlen für Stalking waren rückläufig (-57 Fälle).

Kriminalitätsentwicklung Vermögens- und Fälschungsdelikte
Auch die Vermögens- und Fälschungsdelikte waren insgesamt rückläufig (15.751 Fälle; Abnahme um 2.367 Fälle bzw. -13,1 Prozent). Innerhalb der Deliktsgruppe waren insbesondere rückläufig die Leistungserschleichung (-359 Fälle), der sonstige Warenkreditbetrug (-641 Fälle), und Betrugsdelikte mit rechtswidrig erlangten unbaren Zahlungsmitteln (-216 Fälle). Bei Letzterem handelt es sich um einen Kriminalitätsbereich, der kaum existent wäre, wenn das PIN-Verfahren für derartige Geldtransaktionen verbindlich eingeführt würde.

Kriminalitätsentwicklung Rauschgiftdelikte
Mit 3.315 Fällen waren im Jahr 2017 insgesamt 863 Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum festzustellen (+35,2 Prozent). Die Zunahme entfiel maßgeblich auf die Betäubungsmittel Cannabis und Zubereitungen. Das verstärkte Auftreten erklärt sich unter anderem dadurch, dass Cannabis als sog. „Downer“ nach vorangegangenem Methamphetaminkonsum Verwendung findet. Insgesamt fünf Rauschgifttote und die wiederum hohen Sicherstellungsmengen verdeutlichen den polizeilichen Handlungsbedarf – zumal das Deliktsfeld der Kontrollkriminalität zuzuordnen ist und hierfür seit längerer Zeit deutlich höhere Personalressourcen erforderlich erscheinen, um dem Entstehen einer sog. offenen Szene an Schwerpunkten vorzubeugen.

Entwicklung der Gesamtkriminalität und dessen Aufklärungsquote 2017 - Quelle: Polizeidirektion Leipzig
Entwicklung der Gesamtkriminalität und dessen Aufklärungsquote 2017 – Quelle: Polizeidirektion Leipzig

Tatverdächtige
Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Leipzig wurden im vergangenen Jahr 30.782 Tatverdächtige und damit 4.530 weniger als im Jahr 2016 ermittelt. Der Rückgang verteilte sich, auf alle Altersgruppen: Kinder, Jugendliche, Heranwachsende und Erwachsene.
Die Anzahl nichtdeutscher Tatverdächtiger betrug 8.712 und mithin 3.259 (-27,2 Prozent) weni-ger als im Vorjahreszeitraum. Hiervon wurden 2.941 nichtdeutsche Tatverdächtige wegen aus-länderrechtlicher Delikte registriert (Vorjahr: 6.650).

Polizeipräsident Bernd Merbitz:
„Die vorliegenden Daten der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik für den Freistaat Sachsen und die Teilbetrachtungen nach örtlicher Zuständigkeit der Polizeidirektionen lassen abermals erkennen, dass die hiesige Kriminalitätslage eine besondere Stellung einnimmt und das Stadtgebiet in nochmals auffälligem Maß heraussticht.
Der festzustellende Rückgang der Fallzahlen ist erfreulich, da ich diesen nicht für eine ausschließlich statistische Schwankung halte, sondern auch auf die erfolgreiche Arbeit der Mitarbeiter der Polizeidirektion Leipzig, eine intensiv täterorientierte Sachbearbeitung und die ausgeprägte Vernetzung mit verschiedenen Kooperationspartnern zurückführe.
Das dennoch sechsstellige Gesamtniveau ist sicherlich nicht zuletzt auf eine stete Zunahme der Leipziger Bevölkerung und der Einwohner der unmittelbar angrenzenden Städte und Gemeinden zurückzuführen. Fakt ist aber auch, dass Städte vergleichbarer Größenordnung geringere Fallzahlen und Häufigkeitszahlen aufweisen. Darüber kann auch die statistische Annäherung der Polizeidirektion Dresden nicht hinwegtäuschen, welche sich maßgeblich in einem auf Betrugsdelikte bezogenen Einmaleffekt begründet. Ein reiner Blick auf das Bevölkerungswachstum lässt mithin nur die Aussage zu, künftig wahrscheinlich mit einem wieder ansteigenden Niveau rechnen zu müssen. Das Niveau selbst erklärt sich daraus jedoch nur bedingt.
Die breite Palette der im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Leipzig anfallenden Kriminalität – außerhalb der Polizeilichen Kriminalstatistik auch nicht unerheblich um politisch motivierte Taten „bereichert“ – dominieren glasklar die Diebstahlsdelikte. Da dies in einem überdurchschnittlichen Ausmaß der Fall ist, ist hier ein weiterer Ansatz der Erklärung zu suchen und wohl in einer ausgeprägten Beschaffungskriminalität im Zusammenhang mit Betäubungsmittelabhängigkeit zu finden. Zudem dürfte sich dieses Kriminalitätsphänomen auch auf andere Straf-tatengruppen, wie beispielsweise Raub oder Betrugsdelikte, auswirken. Es stellt eine Leipziger Spezifik dar und führt schnell vor Augen, dass der unvermindert erhobene Ruf nach einem Mehr an Personal kein Allheilmittel sein kann – schon gar nicht für Suchterkrankungen. So erhöhen Komplexkontrollen und Präsenzverstärkungen am Schwanenteich sicherlich die objektive Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsgefühl, aber letztlich sind es Reaktionen auf örtliche Symptome, die sich im Zuge der Verdrängung andernorts zeigen, weil nicht an der Wurzel der Problemstellung gerührt wird.
Insofern ist die Polizeiliche Kriminalstatistik generell nicht als ein allein der Polizei obliegender, in die Zukunft gerichteter Auftrag oder als ihr Arbeitszeugnis zu verstehen. Die Polizeidirektion Leipzig ist sich durchaus ihrer Verantwortung bewusst, aber die Fallzahlen können und sollen Bürgern, Institutionen und gesellschaftlichen Akteuren auch ein Anreiz sein, ihre eigene Mitwirkung und präventive Möglichkeiten zu bewerten.“

Meldung der Polizeidirektion Leipzig

Empfehlung
Sag's weiter!

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*