Mobilitätstraining in Grimma

Im Punkthaus 9 in Grimma Süd hatte der Mitteldeutsche Verkehrsverbund, kurz MDV, zur Mobilitätsberatung „Barrierefrei“ eingeladen. Mit rund 25 Teilnehmern war das Interesse sehr groß, was zeigt, dass es einen großen Bedarf gibt. Denn für viele ältere Menschen aber auch Menschen mit Beeinträchtigungen ist es oft sehr schwierig, eigenständig zum Einkaufen oder zum Arzt zu fahren. Umso wichtiger sind hier die öffentlichen Verkehrsmittel. In einem Theorieteil erfuhren die Teilnehmer zunächst allgemeine Informationen von Mobilitätsberaterin Manuela Schäfer. Sie stellte den MDV vor und ging auch auf zahlreiche Fragen und Anregungen ein. In einem zweiten, praktischen Teil, konnten die Teilnehmer dann noch viele Tipps mitnehmen und auch selbst mal ausprobieren, wie man mit Rollstuhl oder Rollator sicher in den Bus hinein und wieder heraus kommt. Dazu ging es, natürlich mit dem Bus, für alle an den Nicolaiplatz. Dort stand dann auch Thomas Fröhner Rede und Antwort und gab viele wichtige Hinweise.

Thomas Fröhner, Regionalbus Leipzig – Leiter Organisation:

Es ist wichtig, Platz zu lassen, damit die Rampe ausgeklappt werden kann. Man soll also nicht ganz so dicht an den Bus heranfahren, sondern ein Stück Abstand halten. Wenn Sie im Bus sind, ist es wichtig, so weit einzufahren, dass die Rampe wieder eingeklappt werden kann. In der Rampe befindet sich ein Sicherheitsschalter. Wenn dieser nicht schließt, fährt der Bus nicht los. Insofern ist dies auch mit viel Sicherheit verbunden.

Und für die ist natürlich der Busfahrer verantwortlich. Aber nicht nur das. Er kann jederzeit angesprochen werden, wenn Hilfe gebraucht wird. Die Fahrer werden regelmäßig geschult, auch in Bezug auf die Kommunikationstechnik im Bus.  Sie sind also bestens vernetzt und helfen gern. Neben den Schulungen der Mitarbeiter investiert der MDV aber auch kontinuierlich in barrierefreie Ein- und Ausstiege. So wurden viele Niederflurwagen angeschafft, die ein niveaugleiches Einsteigen an der Bordsteinkange ohne Stufen ermöglichen und mit Rampe ausgestattet sind. Da aber noch nicht alle Busse damit ausgestattet wurden, kann gern bei Bedarf vorher bei den Verkehrsbetrieben angerufen werden. Die Busplanung wird dann entsprechend angepasst. Als Rollstuhlfahrer wissen Sie somit genau, dass Sie auf jeden Fall an dem Tag mitfahren können.

Initiiert wurde diese Mobilitätsberatung von Jana Treffler vom Projekt „ÖPNV für alle“.  Sie wollte insbesondere dazu anregen, dass die Busse  barrierefreier werden. Und sie zieht ein positives Resümee.

Jana Treffler, Interessenverband für Körperbehinderte e.V., ÖPNV für alle:

Ich denke, die Veranstaltung war sehr hilfreich und sehr informativ. Wir haben jetzt auch noch einen Praxisteil. Ich hoffe, dass sich die Leute dort auch noch ein bisschen ausprobieren und auch sensibilisiert werden, wie sie sich im Bus verhalten sollten. Damit meine ich die mobilitätseingeschränkten Leute. Es ist immer etwas schwierig, sich auch in die richtige Richtung hinzustellen, so dass die Rollatoren nicht irgendwo im Weg stehen. Sie sollten möglichst zusammengeklappt werden, man sollte nicht darauf sitzen bleiben, sondern sich auf einen der Sitze begeben. Das war mir eigentlich auch das Anliegen heute, dass so viele Menschen dafür sensibilisiert werden und, dass auch viele Menschen, gerade von Grimma Süd, vor dort aus wieder in die Stadt fahren wollen und am öffentlichen Leben wieder mehr teilhaben können.

Dazu beitragen möchte der MDV auch mit dem Projekt „Muldental in Fahrt“. Mit dem neuen Fahrplan wird versucht, hochfrequentierte Orte etwas weniger anzufahren und diese Fahrten aufzuteilen auf Ortschaften, die bisher gar nicht erreicht wurden. Zunächst geschieht das mit mobilen Haltestellen. Bewähren sie sich, wird nach und nach ausgebaut und es entstehen feste Haltestellen. So wurde und wird viel getan. Vielleicht auch bald hierfür.

Jana Treffler, Interessenverband für Körperbehinderte e.V., ÖPNV für alle:

Was sehr gut wäre und was wir im Projekt auch noch nicht erreichen konnten, wäre eine Kennzeichnung der Haltestellen. So, dass man weiss, dass heute um eine gewisse Zeit ein Bus kommt, der wirklich niederflurig ist und dann nicht ein anderer Bus kommt. Da haben wir momentan noch ein Problem mit dem Busverkehr. 50% sind bis jetzt barrierefrei und deswegen kann man jetzt noch nicht genau sagen, dass dies so funktioniert.

Man ist also stetig im Gespräch und wenn auch Sie eine solche Veranstaltung einmal durchführen möchten, können Sie sich gern mit ihrem Verein oder Verband beim MDV melden.  Bei Bedarf ist dies jederzeit auch in ihrem Ort möglich.

von Elke Thiele

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