475 Jahre Friedhof Grimma

Eisenkreuz vom Grab der Familie Walther
Eisenkreuz vom Grab der Familie Walther

Mit seinen 475 Jahren hat er ein durchaus stattliches Alter – der Grimmaer Friedhof. 1542 fand auf dem Gottesacker die erste Beisetzung statt. Valentine Bockwitz verkaufte seinerzeit ein Stück Feld an den Rat Grimma und ausgerechnet ihr Enkelkind sollte hier als erstes beigesetzt werden. Mit der Gründung des Friedhofs an heutiger Stelle wurden die beiden Begräbnisstätten an der Frauenkirche und der Nikolaikirche aufgegeben und der Friedhof aus der Stadt ausgelagert. Bereits 1556 begann dann der Bau der Friedhofskirche „Zum Heiligen Kreuz“. Mehrfach wurde sie umgebaut und beherbergt heute unter anderem den Altar aus der 1888 abgerissenen Nikolaikirche. Auf dieser somit ältesten Fläche des heutigen Friedhofs startete auch die anlässlich des Jubiläums sehr umfangreich vorbereitete Führung über den Friedhof. Man erfuhr von Martin Kaden viel über die verwendeten Gesteine auf dem Friedhof und von Friedhofsverwalterin Silke Brück gab es umfangreiche Infos zur Entwicklung des Friedhofs. Denn mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz wuchs Grimma stetig weiter, sodass 1870 der direkt angeschlossene Lindenfriedhof entstand. Besonders beeindruckend sind heute noch die älteren Grabstätten, die oft sehr aufwendig gestaltet wurden. Leider hat man zu DDR-Zeiten der Friedhof nicht besonders gepflegt, heute ist das anders. Er steht sogar unter Denkmalschutz. Dazu zählt natürlich auch der dritte Teil, der bereits 1907 hinzu kam. Hier befindet sich nicht nur der Andachtsplatz „zu den drei Kreuzen“, auf dem im Sommer immer Mittwochs Andachten stattfinden. In unmittelbarer Nähe befinden sich auch die Soldatengräber aus dem ersten und zweiten Weltkrieg. Vor der Nutzung als Friedhof befand sich hier der Reitplatz der Husaren, was nicht immer optimal war, da es auch mit einer gewissen Lärmbelästigung verbunden war. Der jüngste Teil des Friedhofs ist heute ein reiner Urnenhain. Die Erweiterung kam in den 1960er Jahren hinzu. Neben einzelnen Grabstätten befinden sich hier entlang der Mauer auch Urnenanlagen. Auf der Wiesenfläche nutzte die Friedhofsverwaltung die Gelegenheit, auch ihre Technik auszustellen. Doch neben der umfangreichen Geschichte des Friedhofs gibt es natürlich auch noch einige Gräber mit bekannten und bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt Grimma. Von Ihnen erzählte auch eine kleine Ausstellung in der Friedhofskirche.

Und so konnte man auf der 3,75 Hektar großen Fläche einige davon entdecken. Beispielsweise das Grab des Grimmaer Verlegers Georg Joachim Göschen. Allerdings handelt es sich bei dem Grabstein um eine Kopie des originalen Steins, der leider sehr stark beschädigt und verwittert war. Gleich am Eingang des Freidhofs befindet sich das Grab von Prof. Christian Gottlob Lorenz, der hier 1873 beigesetzt wurde. Er war Stadtchronist und Ehrenbürger der Stadt Grimma. Besonders gelungen sind die Steinmetzarbeiten des Bildhauers Schille. Er fertigte nicht nur den Grabstein für das eigene Familiengrab, was 1936 angelegt wurde, nachdem sein Sohn sehr früh verstarb. Von ihm stammt auch das Grabmal des liegenden Mannes. Es handelt sich dabei um ein Bildnis von Gustav Richard Schleider, der mit nur 17 Jahren Selbstmord beging. Eine tragische Geschichte. Eingefasst von einem Zaun und mit einem Kreuz findet man direkt an einer Friedhofsmauer die Grabstätte von Max Schroeder. Er lebte von 1853 bis 1901 und war Besitzer der Papiermühlenfabrik in Golzern. Aber er hat Grimma auch noch etwas ganz Besonderes hinterlassen, denn er baute 1879 die Gattersburg im Neorenaissancestil als Familienvilla aus. So findet man auf dem Friedhof genau genommen ein Stück Stadtgeschichte wieder. Das zeigt sich auch im Lapidarium. Unter dem Holzdach ist eine Sammlung von Grabsteinen zu sehen, die größtenteils vom alten Nikolaifriedhof stammen. Zudem wurde auf einem Gräberfeld das Eisenkreuz vom Grab der Familie Walther gefunden. Es stand einst auf der Grabstätte der Eltern von Ferdinant Walther, der 1897 die Waltherwerke gründete. Wo sich das Grab einmal genau befand, ist leider nicht bekannt. Wer sich die Zeit nahm, zum Jubiläum am 13. August mal über den Friedhof zu gehen, der kam auch noch an einigen Ständen vorbei. Die Kinder konnten sich beispielsweise beim Filzen ausprobieren. Katrin Bigl hatte aber auch noch etwas Besonderes im Gepäck. Denn aus Filz kann man sich bei ihr nach ganz eigenen Wünschen Überurnen anfertigen lassen. Eine sehr schöne Idee. Zuschauen konnte man beim Steinmetz zudem, wie ein großer Stein gespalten wird und wie mit den verschiedensten Werkzeugen die Motive aus dem Stein herausgearbeitet werden. Hier ist nicht nur Geschick, sondern auch Geduld gefragt. Es lohnt sich also, dem Friedhof mit seinen Grabmalen und Skulpturen mal einen kleinen Besuch abzustatten und die Geschichte und Geschichten, die er zu erzählen hat, auf sich wirken zu lassen.

von Elke Thiele

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