Demonstration in Wurzen

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Zu einem Bürgertreffen am Donnerstag den 31. August hatte die Stadtverwaltung Wurzen aufgerufen. Die Aktion unter dem Motto „Wurzener und das Wurzener Land für ein weltoffenes Wurzen“ stand in unmittelbarem Zusammenhang mit der am Samstag den 2. September statt gefundenen Demonstration des bundesweiten Bündnisses „Irgendwo in Deutschland“. Beim Bürgertreffen, zu dem man sich auf dem Marktplatz traf, war neben Oberbürgermeister Jörg Röglin auch Landrat Henry Graichen mit einem Redebeitrag zu Gast. Stadtsprecherin Cornelia Hanspach rief nochmals zur aktiven Teilnahme der Wurzener auf.

Cornelia Hanspach, Stadtsprecherin der Stadt Wurzen:

Wo würden Sie sich engagieren? Ganz egal, ob es das schon gibt, oder nicht. Und wie auch schon erwähnt, wir nehmen ihre Kritik zu “Was fehlt Ihnen im Wurzener Land?” auf – Sei es ein Platz, wo die Jugend sich trifft, ist es ein Bus, der eben abends um 10 noch durch das Land fährt und Sie von Wurzen aus nach Hause kommen oder umgekehrt. Bitte kommen Sie mit uns ins Gespräch. Nur so können wir Ihre Anliegen mitnehmen und nur so können wir gemeinsam gestalten.

Vielleicht war es dem schlechten Wetter geschuldet, dass bei einer Einwohnerzahl von Stand 2015 mit 16.327 nur ca. 50 Wurzener Bürger zum Markt fanden. Aber diese harrten aus und kamen ins Gespräch. Auch wir kamen ins Gespräch, mit Oberbürgermeister Röglin und wollten wissen mit wie vielen Demonstranten gerechnet wird und wieso gerade Wurzen als Demonstrationsstadt ausgewählt wurde.

Jörg Röglin, Oberbürgermeister der Stadt Wurzen

Ich kann es gar nicht so genau sagen, warum man denn nun Wurzen ausgewählt hat. Es gibt verschiedene Meinungen dazu. Die eine ist, dass es hier in Wurzen ein großes Potenzial an Rechtsextremisten gibt, dass hier ein hohes Maß an rassistischen Vorfällen stattgefunden hat. Das mag nach außen hin tatsächlich so sein. Was wir sehr bedauern ist, dass die Anmelder dieser Demonstration sich vor der Anmeldung nicht mit einem der lokalen Akteure in Verbindung gesetzt haben, weder mit der Stadt, noch mit der Kirche, mit dem NDK noch mit irgendjemand anderem, der hier in der Stadt schon seit Jahren diese Arbeit leistet, dass eben so etwas nicht passiert.

Bevor sich der Demonstrationszug am Samstag in Bewegung setzte, ließen Wurzener Bürger, wie bereits am Donnerstag angekündigt zahlreiche bunte Luftballons in den Himmel steigen. Leider sollte das die einzige Aktion einiger weniger Wurzener bleiben, die sich tolerant und weltoffen zeigen wollten.

Ca. 350 Demonstranten waren es dann, die sich in Wurzen am Bahnhof sammelten um darauf aufmerksam zu machen, dass Wurzen – ihrer Meinung nach – ein Herd der rechten Szene ist, entnazifiziert werden muss. Zugleich prangerten sie immer wieder den in Löbau statt findenden Tag der Sachsen. Dieser gehöre abgeschafft da er nur die Realität schönfärbe, dort Ausländer ferngehalten werden und generell am leben vorbeigehe

Mit fast einer Stunde Verspätung, da wegen zu langer Stangen an mitgeführten Transparenten gegen Auflagen verstoßen wurde und den Worten “Freundinnen und Freunde einer besseren Gesellschaft” setzte sich der Zug in Bewegung.

Begleitet wurde das Ganze von einem massiven Aufgebot von Bundes- und Bereitschaftspolizei als auch SEK, sowie 5 Wasserwerfern.  Für evtl. Ausschreitungen standen zudem Wasserwerfer einsatzbereit und ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Geschehen. Diese setzte auf deeskalierende Maßnahmen, das gelang auch. Aber immer wieder waren in den Seitenstraßen kleinere Versammlungen der politischen Gegenseite, die die Demonstranten schreiender und pöbelnder Weise aus der Reserve zu locken versuchten. Sofort schritten aber Polizeikräfte ein und verhinderten Weiteres, während auf Stopps zu Zwischenkundgebungen über die Neonazi-Strukturen informiert worden ist. Zu eskalieren drohte die Situation jedoch lediglich kurzzeitig am Bürgermeister Schmidt Platz. Auch hier versuchten Neonazis, zur Demonstration durchzudringen. Einsatzkräfte gingen auch hier sofort dazwischen und verwiesen die Störer des Platzes. Ein Clown mit eindeutigen Sprüchen, erst einmal festgesetzt. Auch im letzten Abschnitt, eine der engsten Gassen in Wurzen die der Zug passierte, blieb es friedlich.

Am Endpunkt des Demonstrationszuges am Bahnhof jedoch mussten die Einsatzkräfte nochmals eingreifen und eine Versammlung im Bahnhofsgebäude auflösen. Uwe Voigt, Pressesprecher der Polizeidirektion Leipzig, zog Bilanz.

Uwe Voigt, Pressesprecher Polizeidirektion Leipzig:

Die Polizei Leipzig ist mit dem Gesamteinsatz heute sehr zufrieden. Die Demonstrationsteilnehmer haben alle Auflagen eingehalten. Es wurden dementsprechend auch auf der Strecke die Zwischenkundgebungen so durchgeführt, dass es keine Beanstandungen gab. Eine kleine Rangelei gab es auf dem Bürgermeister-Schmidt-Platz. Dementsprechend gab es hier einzelne Gegendemonstranten, die versucht haben die Veranstaltung und den Demonstrationszug zu stören. Einmal verbal aber auch körperlich haben sie versucht, in die Menge einzudringen. Das hat die Polizei schnell verhindert, wir haben eingegriffen. Dementsprechend konnte der Demonstrationszug bis zum Bahnhof wieder unbehelligt ankommen und es ist wirklich ein friedliches Fazit zu ziehen. Die Polizei ist sehr zufrieden mit dem Gesamteinsatzverlauf dieser Demonstration.

Obgleich jetzt über die Art und Weise einer solchen Demonstration diskutiert werden kann, hinterlässt sie doch einen faden Beigeschmack. Eben den, dass in Wurzen nicht alles Bunt ist, wie das Image der Stadt gern glauben machen möchte.

 

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