Sechs Kitas der AWO Kinderwelt gGmbH arbeiten als Sprach-Kitas

Dana Rauhe, AWO Sprach-Kita Grimma, Foto: AWO KV Mulde-Collm e.V./Karl-Sander
Dana Rauhe, AWO Sprach-Kita Grimma, Foto: AWO KV Mulde-Collm e.V./Karl-Sander

Alle Augen sind an diesem Morgen auf den Mund von Dana Rauhe gerichtet. Die Ohren der kleinen Gruppe von Vorschulkindern des AWO Montessori-Kinderhauses Sonnenschein sind gespitzt. Immer wieder schnellen Arme in die Luft. Jungs und Mädchen nennen aufgeregt Namen, Orte, Tiere oder Gegenstände. Frau Rauhe hat eine so genannte Erzählschiene vor sich, mit der sie die Kinder ermuntert, Geschichten zu erzählen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und sich mitzuteilen. Seit Januar 2018 ist die Logopädin in der AWO-Kindertageseinrichtung in Grimma tätig und unterstützt die Erzieher in ihrer wichtigen Bildungsarbeit. Die Kita Sonnenschein und fünf weitere Einrichtungen der AWO Kinderwelt gGmbH nehmen am Bundesprogramm „Sprach-
Kitas. Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ teil und dürfen sich über eine zusätzliche Fachkraft freuen. Die AWO-Kita am Pulverturm in Grimma hat zuvor schon am Vorgängerprogramm „Frühe Chancen – Schwerpunkt-Kitas Sprache und Integration“ teilgenommen.

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“
Ludwig Wittgenstein

Aus drei Themenschwerpunkten können die Pädagogen schöpfen, um die Offensive des Bundesfamilienministeriums umzusetzen – Zusammenarbeit mit Familien, alltagsintegrierte sprachliche Bildung und inklusive Pädagogik. „Wir konzentrieren uns darauf, die gute und gleichzeitig anspruchsvolle Arbeit der Erzieher*innen in dieser Einrichtung auszubauen. Hier wird bereits seit Jahren an alltagsintegrierter sprachlicher Bildung und der Zusammenarbeit mit Familien sowie inklusiver Pädagogik gearbeitet. Die Konzeption der Einrichtung wird stets erweitert und angepasst.“ sagt Dana Rauhe. Die anfängliche Zurückhaltung der Erzieher ist mittlerweile verschwunden. „Viele dachten, die Sprachfachkräfte schauen den fachlich gut arbeitenden Erziehern, die jahrelange Erfahrung im Umgang mit Kindern besitzen, auf die Finger. Meine Kollegen und Kolleginnen vertrauen mir nun, unterstützen mein Vorhaben und sehen mich als Helfer statt als Kritiker ihrer Arbeit.“ In einer großen Kita mit 135 Kindern und 25 pädagogischen Fachkräften stellen sich auch weitere Aufgaben der Organisation und Umsetzung. „Das Programm gibt keinen roten Faden für meine Arbeit vor. Voraussetzung für gutes Gelingen in der pädagogischen Bildung ist die individuelle Anpassung meiner Aufgaben und sich immer wieder kleine Ziele zu setzen sowie diese gemeinsam umzusetzen. Wir arbeiten schließlich mit Kindern, die alle einzigartige, kleine Individuen sind, welche man immer wertschätzend beobachten und fördern sollte“, sagt Dana Rauhe.

Elternarbeit gestalte sich allerdings schwierig. Angebote außerhalb des Kita-Alltages werden nur selten wahrgenommen. Sie betont: „Den Zugang zu den Familien zu finden und bei ihnen die Förderung der Sprache ihrer Sprösslinge auszubauen, fordert Geduld. Wir müssen ihnen immer wieder Zeit und Möglichkeiten bieten.“ Regelmäßig findet auch deshalb Ideenaustausch zwischen den Sprach-Kitas statt. Das helfe, neues oder altbewährtes Material zu finden und Anregungen für das eigene Tun zu erhalten.

Seit vielen Jahren arbeitet die Logopädin bereits in ihrem Fach und weiß, dass die Sprachprobleme unseres Nachwuchses zugenommen haben. Die Ursachen sind vielfältig. Manch ein Kind wird zu selten zum Sprechen animiert, andere leben in einem mehrsprachigen Umfeld. In Ballungsgebieten, wie auch jenes im Süden von Grimma, leben viele Kinder, die es schwer haben, sprachlich mitzuhalten. Ihre sprachliche Kommunikation ist oft verzögert. Gründe findet man unter anderem im ständig wachsenden Medienkonsum und in der Mehrsprachigkeit.

Durch Reime und Fingerspiele, das Geschichtenerzählen und -erfinden, durch Interaktionsspiele oder Lieder sollen die Aussprache und Satzbildung der Kinder verbessert, ihr Wortschatz erweitert und so auch ihr Selbstbewusstsein gestärkt werden. „Wir wollen mit unserer Arbeit allen Kindern die gleiche Chance auf einen guten Start in die Schule geben. Das ist unser Hauptziel. Denn Sprache ist die Voraussetzung für gelingendes Lernen. Deshalb ist alltagsintegrierte sprachliche Bildung, also sprachbegleitendes Handeln und korrektives Feedback geben, vorlesen oder singen, so enorm wichtig“, betont Dana Rauhe. Kindertagesstätten und deren Erzieher erfüllen dabei eine wichtige Aufgabe. „Ich ziehe den Hut vor ihnen. Denn diese Aufgabe ist nicht leicht.“

PM AWO KV Mulde-Collm e.V.

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