„Auf ein Wort“ – Interview mit Frank Brinkmann

Frank Brinkmann Ausstellung Reiseskizzen in Riesa 2019 - Foto: Detlef Rohde

Auf ein Wort – Der Grimmaer Künstler stellt Arbeiten in einer Doppelausstellung vor

Ab dem 30. November stellt der Grimmaer Keramiker Frank Brinkmann zum Jahresabschluss seine Arbeiten unter dem Titel „Reiseskizzen und Stationen“ um 11:30 Uhr in der Georgenkapelle und im Künstlergut Prösitz ab 12:30 Uhr aus. Seit den 80er Jahren ist er im Muldental beheimatet und leitet den Kunstförderverein Schaddelmühle in Schaddel. In diesem Jahr stellt Brinkmann erstmalig zum Jahresabschluss an zwei Orten gleichzeitig mit komplett unterschiedlichen Arbeiten aus. Detlef Rohde nutzte die Möglichkeit, den weit über Deutschlands Grenzen bekannten Keramiker zu seiner Arbeit und seinem Wirken zu befragen.

Frank Brinkmann – Foto: Detlef Rohde

Was erwartet den Besucher in Ihrer Ausstellung?

Frank Brinkmann: „Die Ausstellung zum 30.11.2019 ist eine Doppelausstellung. Im Künstlerhaus Prösitz wird es eine Kabinettausstellung der Reiseskizzen und einer Skulptur geben. Beides zeigt die Auseinandersetzung mit meiner Wahrnehmungserfahrung. Da sind zum einem die Skizzen. Schnell und konzentriert sind sie im Moment sinnlicher Fülle entstanden. Sie geben mir viel wirkstärker den Moment, die Empfindung am Ort des Eindruckes wieder als Fotografien. Sie verkürzen, komprimieren und interpretieren in einer Spontanität, die dem plastischen Arbeiten so nicht möglich ist.

Sind ihre Zeichnungen Vorarbeiten oder grundsätzlich ein eigener Arbeitsbereich?

Gleichwohl sind diese Blätter Aufladungsmomente für  meine Arbeit auch als Plastiker. Meine räumlichen Arbeiten sind neben der im Künstlergut vorrangig in der Georgenkapelle zu erleben. Dieser bescheidene, ehemals sakrale Raum besitzt eine gute Proportion und menschliche Dimension. Seine Eigenwirkung ist für die jetzige Nutzung geeignet. Eben dort werde ich eine Reihe von Objekten, Plastiken und Kollagen präsentieren. Diese Arbeiten sind Resultate längerer Arbeitsprozesse und einige thematisieren Inhalte, die mich länger schon beschäftigt haben oder meine Auseinandersetzung damit noch weitertreiben. 

Ist der Gestaltunsprozess mit einem Zwiegespräch zu beschreiben?

Plastik findet im Formgebungszeitraum eine Entsprechung für komplexe Inhalte und auch widersprüchliche Impulse, die ich natürlich erst mit mir und der Form ausdiskutiere. Dieses Zwiegespräch ist nicht zu verbalisieren, es folgt der gesamten Breite unseres Wesens. Gefühl, Begrifflichkeit, Rationalität und formale Erfahrung finden zueinander. Es ist eine Form zu generieren, die in sich diese Impulse als spürbare Spannung beim Betrachter ermöglicht. Das kann auch über sehr einfache Formfindungen erfolgen. Ausgang ist immer ein subjektiv, aktuell empfundenes Thema die sich von denen meiner Kolleginnen und Kollegen doch oft wesentlich unterscheiden. 

Ist die Kunst mit einem Lebensgefühl zu vergleichen?

„In der Tat, letztendlich erfassen und transportieren diese Arbeiten auch  mein Lebensgefühl und meine Lust am Formen. Meine Erfahrung kennt die spontane und assoziative Reaktion vieler Besucher auf meine Kunstformen aus über 100 Ausstellungssituationen meiner Berufsjahre. In den Ausstellungen werden aktuelle Arbeiten aus 2019 neben Arbeiten aus zurückliegenden Jahren zu erleben sein.“

Warum haben Sie sich gerade für Keramik als Arbeitsmaterial entschieden?

„Ich setze vorrangig aber nicht ausschließlich keramische Werkstoffe ein. Der metamorphische Prozess der Mineralien zum Ton und zur Keramik und die Ursprünglichkeit des Materials binden mich an diesen Werkstoff. Erstaunlich ist seine Kontinuität als menschlicher Werkstoff.

In Böhmen fanden sich die frühesten Kleinplastiken aus Keramik, in Sachsen werden modernste Silikatwerkstoffe produziert und verwendet. Über so lange Zeiträume ist „Keramik“ ein begleitendes Kulturmedium.“

Sie sind seit den 70er Jahren ein Teil des Kunstfördervereines Schaddelmühle, viele gro0e Künstler aus aller Welt waren schon zu Gast an diesem eher unscheinbaren und abgelegenen Ort. Hat Frank Brinkmann hier feste Wurzeln?

„Es ist nach vielen Berufsjahren im Muldental doch ein Bezug zur Landschaft und zu der Lebensweise meiner Freunde und KollegenInnen auch zur Nachbarschaft  gewurzelt. In diesen Zusammenhang ist mir die Doppelausstellung als eine Station in einem mittelsächsischen Ausstellungsrund des letzten Jahres wichtig. Grimma, Leipzig, Geithain, Leipzig, Riesa, Grimma sind die Stationen der Ausstellungsjahre 2019. Es folgen weiter als Ausstellungsbeteiligungen Dresden, Grimma, Leipzig und eventuell Chemnitz in 2020. Die Ausstellung ermöglicht die Begegnung mit meinen Arbeiten aus dem persönlichen Werkprozess.“

Ein wichtiges Thema ist für Sie die Sozialisierte Kunst, ein Begriff und eine Arbeitsweise, die von Ihnen erst im Laufe der Jahre entwickelt worden ist. War Kunst bislang nicht sozial oder was soll der Begriff ausdrücken?

„Mir ist die Organisation und Beteiligung  in den Gruppen zu Kunstprojekten im Arbeitsbegriff „sozialisierte Kunst“ sehr wichtig. Diese Methodik habe ich im Kollektiv um das Künstlerhaus Schaddelmühle mit vielen Partnern und Partnerinnen entwickelt und wir wenden diesen gesellschaftlich wichtigen Weg an. In dem Begleitheft zu den Ausstellungen ist ein Hinweis auf eines dieser Arbeitsergebnisse aufgezeigt.“ Auf der Seite www.schaddelmuehle.org finden sie einen Block zur -Sozialisiertren Kunst – und deren theoretischen Abgrenzung.

Sie werden ja auch nicht jünger und Keramiker ist ein schwerer Beruf. Werden Sie sich künftig mehr auf das Zeichnen konzentrieren?

„Keramik, Plastik sowie Zeichnungen und die sozialisierte Kunst als Gruppenprozess, sind feste Bestandteile meiner weiteren Entwicklung. Die Wichtung der einzelnen Arbeitsgebiete wird sich untereinander temporär verschieben sowie es bisher auch gewesen ist.Für die bisherige und zukünftige Zusammenarbeit im Kunstbereich ist es mir wichtig, allen wechselnden Projekt- und Arbeitspartnern/Innen auch auf diesen Weg ein Dankeschön zukommen zu lassen.“

Interview und Fotos Detlef Rohde

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