Grüße aus dem Göschenhaus zum Seume-Tag

Heute ist Seume-Tag – zum neunten Mal, doch in diesem Jahr leider nicht in gemütlicher Runde im Kaminzimmer des Göschenhauses. Die COVID-19-Pandemie lässt das derzeit leider nicht zu. Trotzdem soll an den 258. Geburtstag von Johann Gottfried Seume erinnert werden. Diesmal habe ich einen kleinen Text ausgesucht, der Seume und Göschen gleichermaßen ehrt und Ihnen die Vorfreude auf den nächsten Besuch im Museum Göschenhaus und seinem Göschengarten bereiten soll.

Der folgende Text, in der zeitgenössischen Rechtschreibung, stammt von Johann Paul Freiherr von Falkenstein (1801-1882), Jurist und späterer sächsischer Innenminister. Bevor er 1827 nach Dresden berufen wurde, verbrachte er einige glückliche Jahre in Leipzig – das spürt man deutlich in diesem Auszug seiner Lebenserinnerungen, die Julius Petzholdt (1812-1891) im Sterbejahr Falkensteins herausgab.

Zwei Dinge sind an dem Text bemerkenswert: einerseits in welche Reihe von Persönlichkeiten unser Spaziergänger nach Syrakus gestellt wurde und wie stark das heutige Göschenhaus schon damals für Freunde offen stand.

Ich wünsche Ihnen nun viel Freude beim Lesen, bleiben Sie gesund und optimistisch … und stoßen Sie auf Seume an!

Noch habe ich auch aus meinem Leipziger Aufenthalte einer höchst interessanten Bekanntschaft Erwähnung zu thun, nämlich mit der Familie des angesehenen Buchhändlers Göschen, dessen Gattin eine vertraute Jugendfreundin meiner Pflegemutter war. Der alte Göschen, ein schöner lebendiger Herr, der mit den damals berühmtesten deutschen Schriftstellern – ich nenne nur Goethe, Schiller, Seume, Wieland, Klopstock, Houwald – in Verbindung stand, seine Söhne feingebildete junge Männer, die Damen vom Hause schön und geistreich, hätten diese mich nicht außerordentlich anziehen sollen, zumal da ich von ihrer Seite ein ungewöhnlich herzliches Entgegenkommen fand: ich sah mich wie einen Verwandten und Freund behandelt. Seit ich Zutritt zu der Göschen‘schen Familie gefunden hatte, verging selten ein Sonnabend, an dem ich nicht in Gesellschaft meines Freundes Dr. med. Albert Braune, der ebenfalls zu den Freunden des Hauses Göschen zählte, nach Hohnstädt bei Grimma, einer Besitzung der Göschen’schen Familie, gewandert oder geritten wäre, um den Sonntag dort zu verleben und erst Montags nach Leipzig heimzukehren. Geritten – wie spaßhaft doch! denn wir hatten nur Ein Pferd zur Verfügung und ritten abwechselnd und bildeten uns dabei ein, auf diese Weise schneller und bequemer zum Ziele zu kommen. In Seifertshain, der Mitte des Weges, ward eingekehrt, ein Butterbrod gegessen und höchstens noch ein Gläschen Parfait d’amour dazu getrunken (das Bier war damals selten oder wenigstens schlecht). Obwohl uns diese Wanderung ziemlich ermüdete – in der Regel war aber Derjenige der müdeste, der das Pferd am meisten benutzt hatte – so fühlten wir doch, sobald nur Hohnstädt einmal erreicht war, nichts mehr von Ermattung; munter und frisch vergnügten wir uns an allerlei Zeitvertreib, es wurde bald musicirt, bald vorgelesen, bald getanzt, wohl auch Komödie gespielt und natürlich der beliebten Pfänderspiele nicht vergessen, bei denen wir gern von dem uns gewissermaßen zugestandenen freund- und verwandtschaftlichen Rechte Gebrauch zu machen suchten. Wahrlich eine herrliche Zeit, deren ich noch jetzt mit Freude gedenke!

Quelle aus dem Bestand Göschenarchiv Museum Göschenhaus:

Dr. Johann Paul Freiherr v. Falkenstein. Sein Leben und Wirken nach seinen eigenen Aufzeichnungen herausgegeben von J. Petzholdt. Mit Portrait und Gedächtnißreden; Dresden: R. v. Zahn (R. v. Zahn & Emil Jaensch) 1882, S.32f.

PM Museum Göschenhaus

 

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